Selbstmanagement in Krisensituationen, Teil 2

Mit dem richtigen Mindset durch die Krise

„In der Krise beweist sich der Charakter“ (Helmut Schmidt)

Um Selbstmanagement in einer Krisensituation ging es wohl eher weniger, als Helmut Schmidt 1974 diesen berühmten Satz sagte.

Damals prägten andere Krisen das Geschehen: Der RAF-Terrorismus war die große Herausforderung jener Zeit. Aber das Zitat von Helmut Schmidt aus dem Jahr 1974 ist heute noch genauso aktuell wie damals.

Wie aktuell es tatsächlich beim Erscheinen des Artikels sein würde, das konnte ich damals Ende Dezember nicht ahnen, als ich meinen Redaktionsplan für 2020 erstellte!

Machen wir also weiter mit der Reihe „Selbstmanagement in einer Krisensituation“. In Teil 2 widmen wir uns dem Mindset oder – um das schöne klassische Wort aufzugreifen – dem Charakter!

 

Bauer

“Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt’s an der Badehose!“

Heute: Der Bauer

Um die Analogie fortzuführen: Im Teil 1 ging es um die „Badehose“, d.h. um verschiedene Tools für Selbstmanagement in  einer Krisensituation. Schauen wir uns heute also den „Bauern“ an.

Es gibt jedoch nicht nur „den einen Bauern“. Denn Selbstmanagement in einer Krisensituation funktioniert für jeden Menschen anders. Zunächst einmal deshalb, weil jeder Mensch eine andere Persönlichkeit hat.

 

Big Five Persönlichkeitsmodell

Die unterschiedlichen Persönlichkeitstypen

“The BIG FIVE“

Menschliche Verhaltensweisen mittels einer Typologie einzuordnen, ist nicht neu. Schon die alten Griechen benannten vier verschiedene Temperamente: Sanguiniker, Choleriker, Melancholiker und Phlegmatiker.

Aus der Psychoanalyse kennen wir die verschiedenen Persönlichkeitstypen eher anhand ihrer Störungsbilder: Narzisstische, schizoide, depressive, zwanghafte und hysterische Persönlichkeitsstörung verhindern oft ein effektives Selbstmanagement in einer Krisensituation.

Das BIG FIVE – Persönlichkeitsmodell ist in der Psychologie das am besten etablierte Modell. Es unterscheidet fünf Faktoren, die die wichtigsten Eigenschaften der menschlichen Persönlichkeit beschreiben.

 

Big Five Offenheit

1. Offenheit

Gemeint ist die Offenheit gegenüber Neuem. Sie drückt sich z.B. durch Neugier, Wissbegierde und Einfallsreichtum aus.

Menschen mit weniger stark ausgeprägter Offenheit sind eher bewahrende Typen, die Routinen mögen und über ein tiefes Wissen für eng abgesteckte Interessengebiete verfügen.

 

Big Five Gewissenhaftigkeit

2. Gewissenhaftigkeit

Gewissenhafte Menschen sind zielstrebig, lieben Pünktlichkeit und sind gut organisiert. Sie gelten mit ihrem Fleiß und Streben nach Leistung als anspruchsvoll und willensstark. Manchmal werden sie jedoch auch als pedantisch und stur wahrgenommen.

Prokrastination ist ein typisches Beispiel dafür, wenn die Gewissenhaftigkeit schwächer ausgeprägt ist. Der Mensch reagiert eher zu flexibel und spontan, was dann schnell unproduktiv wirken kann, wenn Dinge deshalb auf die lange Bank geschoben werden.

 

Big Five Extraversion

3. Extraversion

Extrovertierte Menschen sind lebhaft und aufgeschlossen und genießen es, Menschen um sich zu haben. In Gesprächen und im intensiven Austausch mit anderen Menschen blühen sie regelrecht auf.

Introvertierte Menschen fühlen sich dagegen wohler, wenn nicht so viel Trubel um sie herum ist und können die Stille geniessen. Die halten Extrovertierte übrigens nicht so gut aus.

 

Big Five Verträglichkeit

4. Verträglichkeit

Menschen mit einer hohen Verträglichkeit werden als „warmherzig“ wahrgenommen. Sie sind hilfsbereit, bringen anderen Menschen Vertrauen entgegen und lösen mögliche Konfliktsituationen konstruktiv.

Ist die Anpassungsfähigkeit bei einem Menschen eher niedrig ausgeprägt, wird er als wettbewerbsorientiert, unabhängig und durchsetzungsstark wahrgenommen. In Konfliktsituationen zeigen sich jedoch recht schnell aggressive Tendenzen.

 

Big Five Neurotizismus

5. Neurotizismus

Neurotizismus beschreibt die emotionale Stabilität eines Menschen und seine Kompetenz, mit Stress umzugehen.

Eine hohe Ausprägung findet sich bei Menschen, die öfter unsicher, ängstlich, nervös, besorgt und traurig sind. Sie sind anfälliger für Stress und Probleme sowie unliebsame Gefühle und Gedanken und reagieren schnell empfindlich.

Selbstsichere, ruhige und zufriedene Menschen weisen demnach niedrige Neurotizismus-Werte auf und bleiben in Krisensituationen wesentlich gelassener.

 

Big Five Persönlichkeitsmodell Übersicht

Das Mindset für Selbstmanagement in einer Krisensituation

Welcher Charakter agiert wie?

Die Übersicht zeigt nochmal alle 5 Persönlichkeitsmerkmale mit kurzen Beschreibungen auf einen Blick. Wichtig ist, dass alle 5 in einer Persönlichkeit vorhanden sind – allerdings in unterschiedlich hoher Ausprägung. Und sie ergänzen sich demnach auch bzw. gleichen sich aus.

Nehmen wir für unser Thema „Selbstmanagement in einer Krisensituation“ nun doch die aktuelle Krise um COVID19 zum Anlass. Auf Basis des Persönlichkeitsmodells der „BIG FIVE“ lässt sich nämlich so manche absurde Situation und überschießende Reaktion – bedingt durch die Coronakrise – dann vielleicht etwas besser einschätzen.

 

COVID19 Panik Selbstmanagement in einer Krisensituation

“Keine Panik!“

Ein Satz, der derzeit öfter zitiert wird, aber für einen Menschen mit einem hohen Neurotizismus-Wert doch eine gewisse Herausforderung darstellt. Denn er ist von Haus aus schon ängstlich und besorgt genug. Eine Krise von diesem Ausmaß führt ihn schnell an seine Grenzen.

Glück hat er allerdings, wenn sein Charakter gleichzeitig eine hohe Gewissenhaftigkeit aufweist, denn dann ist er auch diszipliniert genug, um seine Sorgen überlegt und willensstark zu kanalisieren.

 

COVID19 Corona-Party Selbstmanagement in einer Krisensituation

“Corona-Parties“

Da fragt man sich, was das für Menschen sind, die sich wider besseren Wissens in diesen Zeiten bewusst in Gruppen treffen und den Ausdruck „social distance“ anscheinend nicht übersetzen können.

Das mag allerdings weniger an mangelnden Englischkenntnissen liegen, sondern eher an ihrer Persönlichkeit. Hier findet sich nämlich eine entsprechende Kombination aus hoher Extraversion, hoher Offenheit und geringer Gewissenhaftigkeit: Sie sind unkonventionell, gesellig und äußerst unbekümmert.

Wünschen wir diesen Menschen, dass sie ihr Mindset in Bezug auf Selbstmanagement in einer Krisensituation überdenken. Hoffen wir, dass sie ab sofort ihre Offenheit dafür nutzen, um herauszufinden, was man denn zu Hause Kreatives tun oder Neues lernen kann. Dass sie ihre Extraversion einsetzen, um Menschen, die vielleicht einsamer sind, anzurufen oder mit Ihnen zu skypen.

Und die übergroße Flexibilität, die mit ihrer schwach ausgeprägten Gewissenhaftigkeit einhergeht, ließe sich auch viel besser nutzen. Sie hilft nämlich, sich umzustellen und einzusehen, dass Corona-Parties vielleicht jetzt doch nicht so angebracht sind.

 

COVID19 Klopapier Selbstmanagement in einer Krisensituation

“Klopapier & Nudeln“

Heute Morgen war ich im Supermarkt. Und dort stand tatsächlich im Kassenbereich ein Mann von der Security – in voller Montur!

So weit sind wir schon: Der Kampf um Klopapier und Nudeln mutiert zur Existenzfrage. Er wird besonders von den Menschen erbittert geführt, die sowohl hohe Neurotizismus-Werte als auch eine niedrige Ausprägung im Persönlichkeitsmerkmal „Verträglichkeit“ aufweisen.

Dabei haben sie einfach nur Angst, sind aber gleichzeitig hochimpulsiv. Das war noch nie eine gute Kombination! Und sie achten egoistisch nur darauf, dass in jedem Fall sie den Wettbewerb um das Klopapier gewinnen.

 

COVID19 Selbstmanagement in einer Krisensituation

Das Mindset für Selbstmanagement in einer Krisensituation

Welches Mindset ist hilfreich?

Unterstützend in der Krise ist ein Mindset, das aufgrund innerer Selbstsicherheit eine ganz natürliche Resilienz erwachsen lässt und damit den Neurotizismus drastisch senkt.

Ein hilfreiches Mindset zeichnet sich ebenso durch eine hohe Verträglichkeit aus, die sich durch Kooperation und Hilfsbereitschaft ausdrückt. Genauso zuträglich ist ein hoher Wert im Persönlichkeitsmerkmal Offenheit für neue Situationen, der den Widerstand gegen die Krise schmilzen lässt. Denn dadurch wird Annehmen möglich. Und durch das Annehmen wiederum ist der Weg durch die Krise schon um vieles leichter.

Kommt dann auch noch eine gehörige Portion der herzlichen und optimistischen Geisteshaltung der Extraversion hinzu, so hilft diese mit Leichtigkeit der willensstarken Diszipliniertheit der Gewissenhaftigkeit, die nötigen Vorgaben zu COVID19 und die Regeln in der aktuellen Coronakrise einzuhalten.

 

Nun wollen Sie bestimmt zwei Dinge wissen:

  1. Was bin ich für ein Typ?

Im Netz finden sich dazu zahlreiche Tests, googeln Sie einfach mal unter dem Stichwort „Big five Persönlichkeitstest“.

  1. Wie kann ich ein hilfreiches Mindset für das Selbstmanagement in einer Krisensituation entwickeln?

Sie tun es bereits – Sie lesen diesen Blogartikel! Das heißt, Sie interessieren sich für Selbstmanagement, Achtsamkeit und Ihre persönliche Weiterentwicklung. Dies ist schon der erste wichtige Schritt!

Und sie interessieren sich damit dafür, wie mindfulnessence Ihnen helfen kann. Machen Sie auch den zweiten Schritt, holen Sie sich hier die kostenlose digitale Vorlage für die Achtsame Tagesplanung und beginnen Sie noch heute damit, Achtsamkeit ganz einfach in Ihren Alltag zu integrieren. Gerade jetzt hilft das bereits enorm!!


Sie wollen wissen, was Sie darüber hinaus für Ihr Selbstmanagement in einer Krisensituation brauchen? Sie möchten erfahren, wie Sie ganz einfach an Ihrem Mindset arbeiten, um nicht nur jetzt unbeschadet durch die Coronakrise zu kommen, sondern auch nach COVID19 andere Krisen souverän zu meistern?

Darüber können wir gerne in einem kostenlosen Erstgespräch via Skype, ZOOM oder Telefon sprechen. Machen Sie dazu den dritten Schritt: Nehmen Sie hier Kontakt auf!

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